St. Pölten (OTS) – Morgen, traditionell am vierten Donnerstag im
April, findet zum 24.
Mal der Girls‘ Day in Niederösterreich statt, bei dem Mädchen
motiviert werden, handwerkliche oder naturwissenschaftliche Berufe in
ihre Berufswahl aufzunehmen. Im Rahmen einer Pressekonferenz
informierten Bildungs-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister, Vera
Sares, Landesvorsitzende von Frauen in der Wirtschaft der
Wirtschaftskammer Niederösterreich, Sandra Kern,
Landesgeschäftsführerin des AMS Niederösterreich, und Michaela
Roither, Geschäftsführerin der Industriellenvereinigung
Niederösterreich, heute, Mittwoch, bei der Firma Forster Verkehrs-
und Werbetechnik GmbH in Waidhofen/Ybbs über den Aktionstag.
Schülerinnen der Neuen Mittelschule Wolfsbach hatten heute schon die
Möglichkeit in die dort angebotenen sieben Lehrberufe
hineinzuschnuppern.
Der Girls‘ Day findet seit dem Jahr 2002 statt. Insgesamt haben
seit Beginn rund 33.0000 Mädchen in Niederösterreich daran
teilgenommen. Beim diesjährigen Girls’ Day sind in Niederösterreich
32 Schulen mit 664 Schülerinnen und 34 Unternehmen und Institutionen
dabei. Die geringere Teilnehmerinnenzahl im Vergleich zum Vorjahr ist
aufgrund der inhaltlichen Neuausrichtung bewusst gewählt. „Wir haben
heuer noch einmal intensiver auf Qualität statt auf Masse gesetzt“,
führte Bildungs-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister aus, dass
man wolle, dass sich die Mädchen mit ihrer Berufsorientierungs-
Lehrperson schon intensiv auf diesen Tag vorbereiten. Die
Neuausrichtung umfasst außerdem eine verpflichtende Teilnahme der
Berufsorientierungs-Lehrpersonen an Vorbereitungsworkshops sowie die
Durchführung eines Projekts an den Schulen mit anschließender
Präsentation.
„Es sind alle Wege offen, wenn man sich darüber traut“, betonte
Teschl-Hofmeister, dass man in technischen Berufen einfach mehr
verdiene, mehr Berufschancen und mehr Karrieremöglichkeiten habe.
Derzeit würden nur 28,7 Prozent der Schülerinnen technische-
gewerbliche höhere Schulen besuchen, der Mädchenanteil in Schulen für
soziale Berufe liege allerdings bei über 80 Prozent. „Es soll eine
bewusste Entscheidung sein, ob man das eine oder das andere wählt“,
informierte Teschl-Hofmeister, dass sich die Mädchen immer noch
überwiegend für die drei Lehrberufe Einzelhandel, Bürokauffrau und
Friseurin entscheiden würden. Das seien wichtige Jobs, aber „man soll
sich der Möglichkeiten bewusst sein“, führte die Landesrätin aus,
dass eine Einzelhandelskauffrau in der Lehre im Schnitt um rund 990
Euro weniger verdiene als jemand im Bereich Installations- und
Gebäudetechnik – das sei auf 40 Jahre gerechnet ein Unterschied von
475.000 Euro. Teschl-Hofmeister appellierte nicht nur an die Mädchen,
sondern auch an die Eltern: „Lasst die Mädels einen mutigen Schritt
machen.“ Die Landesrätin betonte außerdem: „Wir brauchen Vorbilder
wie hier die Geschäftsführerin bei der Firma Forster.“
Vera Sares, Landesvorsitzende von Frauen in der Wirtschaft der
Wirtschaftskammer Niederösterreich, sagte: „Der Girls‘ Day ist für
mich nicht nur ein Aktionstag, er ist enorm wichtig für unsere
weiblichen Schüler“, denn diese hätten damit die Möglichkeit „einen
Tag zu erleben abseits der Rollenklischees“ und könnten etwas Neues
ausprobieren. „Wir bilden momentan rund 4.000 weibliche Lehrlinge
aus“, führte Sares aus, dass man in den technischen Berufen aufhole,
aber dass es noch viel Luft nach oben gebe. „Wir haben großartige
Unternehmen, die eine innovative Kraft haben“, bedankte sich die
Landesvorsitzende bei allen Unternehmen, die den Girls‘ Day möglich
machen und ihre Türen öffnen, aber auch bei allen teilnehmenden
Schulen und Lehrpersonen, die den Mädchen die Möglichkeit geben, über
den Tellerrand zu blicken und in Berufe hineinzuschnuppern.
Sandra Kern, Landesgeschäftsführerin des AMS Niederösterreich,
bedankte sich für die Neuausrichtung des Girls‘ Day. Es sei wichtig,
dass die Mädchen nicht nur durch die Betriebe durchgehen und schauen,
sondern auch Dinge ausprobieren und selber einmal Hand anlegen
können. „4.599 junge Menschen haben in den ersten drei Monaten
entweder mit einem Job gestartet oder eine Lehre begonnen“, betonte
Kern, dass man einen „dynamischen Arbeitsmarkt“ auch bei jungen
Menschen sehe. Wichtig sei es, Mädchen „das Bild, was junge Frauen
alles schaffen können“ zu vermitteln. Von den Betrieben bekomme man
die Rückmeldung, dass, wenn junge Frauen in technisch-handwerkliche
Berufe gingen, dann würden sie das großartig machen. Es gelte von
klein auf Rollenbilder aufzulösen.
Michaela Roither, Geschäftsführerin der Industriellenvereinigung
Niederösterreich, sprach vom Girls‘ Day als von einer
„kontinuierlichen Aktion“, die sie weiterhin unterstützen werde. „Nur
30 Prozent aller Lehrlinge in der Industrie sind weiblich“, führte
Roither aus, dass die Industriebetriebe aber bereit seien, in junge
Leute zu investieren und diese Chance solle auch wahrgenommen werden.
„Wir müssen schon im Kindergarten anfangen“ und es brauche auch Role
Models und Sichtbarkeit, um Mädchen mehr für Technik- und
handwerkliche Berufe zu interessieren, appellierte die IV-NÖ-
Geschäftsführerin, an die Eltern, hinzuhören und zu schauen, welches
Talent ein junges Mädchen habe.
Nähere Informationen: Büro LR Teschl-Hofmeister, Mag. (FH) Dieter
Kraus, Pressesprecher, Telefon 02742/9005-12655, E-Mail dieter.kraus@
noel.gv.at