Wien (OTS) – In Österreich finden circa wöchentlich Versteigerungen
statt, auf
denen Milchbetriebe Rinder und Kälber verkaufen. Marktberichte
zeigen, dass auch die Firma Klinger aus dem Waldviertel regelmäßig
Exportankäufe schwangerer Kalbinnen für Langstreckentransporte auf
Versteigerungen, vorwiegend in Nieder- und Oberösterreich, tätigt.
Das Ziel dieser Langstreckentransporte sind auch Tierschutz-
Hochrisikostaaten wie Algerien. Wie vorgestern Abend vom ORF
berichtet wurde , soll die Exportfirma für die Tragödie, die sich im
November auf dem Tiertransportschiff Spiridon II ereignet hat,
verantwortlich sein.(1)
Klinger gehört zu den Firmen, die die meisten „trächtigen
Kalbinnen“ von österreichischen Milchbetrieben ankaufen. „Kalbin“ ist
der Fachbegriff für ein weibliches Rind, das noch kein Kalb zur Welt
gebracht hat. Sie werden schwanger verkauft, damit möglichst bald
nach der Ankunft ihre Kälber geboren werden und die Milchproduktion
beginnt. Die männlichen Kälber werden meist gemästet und getötet, die
weiblichen werden später meist auch zur Milchkuh und letztendlich
auch getötet. In sogenannten „Tierschutz-Hochrisiko-Staaten“ erfolgt
die Tötung ohne Betäubung.
Marktberichte von Rinderzuchtverbänden aus Nieder- und
Oberösterreich verdeutlichen die Rolle Klingers im Handel mit
österreichischen Rindern: So steht im Versteigerungsbericht vom
10.3.2026 in Ried: „Bei der Versteigerung der trächtigen Kalbinnen
wechselten 202 Tiere den Besitzer. Die Exportquote betrug fast 100
Prozent. Von den Firmen Klinger und Schalk wurden Kalbinnen für den
Export nach Algerien angekauft.“(2) Die NÖ Genetik schreibt über die
Versteigerung am 4.3.2026 in Bergland: “Bei den Kalbinnen sorgten die
Firmen Klinger, Schalk und Landvieh mit Exportankäufen für Algerien
und Italien für einen ansprechenden Absatz(3). Und der aktuellste
Marktbericht(4) aus Regau vom 16.3.2026 zeigt, dass Versteigerungen
extra verschoben werden , “um die aktuell gute Vermarktungssituation
für trächtige Kalbinnen bestmöglich auszunutzen.“ „Speziell die
trächtigen Fleckviehkalbinnen waren wieder sehr stark von den
Exportfirmen Schalk und Klinger nachgefragt. Die klein- bis
mittelträchtigen Kalbinnen, welche für den Export angekauft wurden,
erzielten einen Durchschnittspreis von Ꞓ 2.993,-.“ Auch die
Versteigerung im Februar in der Berglandhalle wurde „Aufgrund
eingeschränkter Absatzmöglichkeiten bei den trächtigen Kalbinnen“(5)
extra um 2 Wochen verschoben.
Einer der Hauptkritikpunkte an Exporten in Tierschutz-
Hochrisikostaaten wie Algerien oder der Türkei – neben der langen
Transportdauer – ist, dass Schlachtungen ohne Betäubung dort üblich
sind. Erst letztes Jahr hat der VGT schockierende Aufnahmen vom
türkischen Opferfest Kurban Bayrami veröffentlicht . Bis zum
Auftreten der Blauzungenkrankheit im September 2024 war die Türkei
das wichtigste außereuropäische Exportland für österreichische
Kalbinnen. Danach wurde Algerien zur neuen Top-Destination außerhalb
der EU. Letztes Jahr wurden 8.860 Rinder per LKW und Schiff nach
Algerien exportiert.(6)
VGT-Campaignerin Isabell Eckl: „Obwohl den heimischen
Landwirt:innen bekannt ist, dass Exporteure wie Klinger schwangere
Rinder in Tierschutz-Hochrisiko-Staaten exportieren, werden auf
Versteigerungen kaum Exportankäufe ausgeschlagen. Dass die Tiere auf
Schiffen oder bei der Schlachtung ohne Betäubung leiden müssen, ist
offenbar nebensächlich, solange der Erlös stimmt. Die mutmaßliche
Verantwortlichkeit von Klinger für den Tod unzähliger Rinder und
Kälber auf der Spiridon II lässt jedenfalls auch für österreichische
Tiere nichts Gutes erahnen. Die Exportfirma muss für ihre Taten zur
Rechenschaft gezogen werden. Eine Tragödie, wie sie sich im November
auf dem inzwischen weltbekannten Tiertransportschiff zugetragen hat,
darf nicht noch einmal passieren.“
Der VGT fordert in einer Petition unter anderem eine maximale
Transportdauer von acht Stunden für ausgewachsene Rinder, was das
Ende der Exporte in Tierschutz-Hochrisikostaaten bedeuten würde.
Pressefotos (Copyright: VGT.at)
Quellen:
1 ORF.at: Österreicher hinter tödlichem Tiertransport [25.3.2026]
2
https://www.fih.at/vermarktung/marktberichte/26_03_10_preisspitze-
ueberschritten!-15827.html
3 https://www.noegenetik.at/news/artikel/marktbericht-
versteigerung-bergland-1
4 https://www.rzo.at/aktuelles/news/283-regau-zuchtvieh-16032026-
kalbinnen-weiterhin-stark-nachgefragt
5 https://www.noegenetik.at/news/verschiebung-der-jaenner-
versteigerung-in-bergland
6 https://www.verbrauchergesundheit.gv.at/dam/jcr:6614de80-92fd-
4848-aa2e-2e677e8c54fb/2025_TRACES_AUT.pdf