Politik

vida-Eberhart zu Tourismuszahlen: „Rekorde feiern und gleichzeitig Krise spielen – das passt nicht zusammen“

Wien (OTS) – Die heute veröffentlichten Tourismuszahlen der Statistik
Austria
zeigen erneut eine starke Entwicklung: Von Jänner bis August wurden
117,89 Millionen Nächtigungen gezählt, ein Plus von 1,5 Prozent
gegenüber dem Vorjahr. Auch die bisherige Sommersaison von Mai bis
August liegt mit 63,31 Millionen Nächtigungen um 2,3 Prozent über dem
Vorjahresniveau.

Für Eva Eberhart, Vorsitzende des Fachbereichs Tourismus in der
Gewerkschaft vida, stehen diese Zahlen in deutlichem Widerspruch zur
Krisenerzählung der Branche: „Ein Rekord jagt den nächsten, die
Gästezahlen steigen und Österreich bleibt international gefragt.
Gleichzeitig hören wir von Arbeitgeberseite seit Monaten, wie
schlecht es den Betrieben angeblich geht. Irgendwann stellt sich
schon die Frage, wie glaubwürdig dieses Dauerjammern ist.“

Eberhart: „Krisenerzählung darf keine Ausrede für niedrige Löhne
sein“

Mit dem neuen Kollektivvertrag steigen die Löhne in Hotellerie
und Gastronomie ab Oktober im Durchschnitt um 3,02 Prozent. In der
größten und am niedrigsten entlohnten Lohngruppe beträgt das Plus
3,48 Prozent. Bei einer zugrundeliegenden Inflationsrate von 3,6
Prozent bedeutet das für die Beschäftigten einen realen
Kaufkraftverlust.

„Die Menschen in Küchen, im Service, im Housekeeping, an den
Rezeptionen und in vielen weiteren Bereichen haben die Erfolge im
österreichischen Tourismus erarbeitet. Die Branchenvertreter sollen
endlich aufhören, so zu tun, als wäre es wirtschaftlich unzumutbar,
sie anständig zu bezahlen“, so Eberhart.

Arbeitsbedingungen verbessern statt Arbeitskräfte importieren

Kritisch sieht vida auch die Strategie, einen vermeintlichen
Arbeitskräftemangel verstärkt über Saisonkontingente und die Rot-Weiß
-Rot-Karte zu lösen. Gerade in Beherbergung und Gastronomie werden
zahlreiche Arbeitskräfte aus Drittstaaten angeworben. Und das, obwohl
Ende August 375.730 Personen beim Arbeitsmarktservice (AMS)
arbeitslos oder in Schulung gemeldet waren.

„Die Betriebe klagen über Personalmangel, sind aber gleichzeitig
nicht bereit, das naheliegendste Mittel dagegen einzusetzen:
anständige Löhne und attraktivere Arbeitsbedingungen“, sagt Eberhart.
„Wer Menschen für möglichst wenig Geld arbeiten lässt, löst keinen
Fachkräftemangel – er hält lediglich den Lohndruck hoch.“

„Erfolg muss dort ankommen, wo er erarbeitet wird“

Auch Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner spricht
angesichts der aktuellen Zahlen von hoher Wertschöpfung und starker
internationaler Nachfrage. „Natürlich kann die Situation einzelner
Betriebe unterschiedlich sein. Aber als Begründung dafür, die Löhne
einer ganzen Branche niedrig zu halten, taugt die permanente
Krisenerzählung nicht. Ein erfolgreicher Tourismus braucht nicht nur
volle Betten und volle Gaststuben, sondern auch Beschäftigte, die von
ihrer Arbeit gut leben können“, so Eberhart abschließend.

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