Politik

„Yellow September“: Psychische Gesundheit sichtbar machen und Suizidprävention stärken

St. Pölten (OTS) – Der „Yellow September“ ist der österreichweite
Aktionsmonat für
psychosoziale Gesundheit und beginnt am 10. September mit dem Welttag
der Suizidprävention und endet am 10. Oktober mit dem Welttag der
psychischen Gesundheit. Die Farbe Gelb steht international für
Suizidprävention. Heuer steht der Aktionsmonat unter dem Motto
„Gemeinsam geht mehr!“ und rückt Einsamkeit und soziale Verbundenheit
in den Vordergrund. Dazu informierten die Landesräte Martin Antauer,
Anton Kasser und Susanne Rosenkranz am heutigen Montag im Rahmen
einer Pressekonferenz im Klangturm im Landhausviertel in St. Pölten –
eines jener Gebäude, das im Yellow September gelb beleuchtet und
womit ein sichtbares Zeichen für psychosoziale Gesundheit gesetzt
wird.

„Auch drei Garagenabgänge des Landhausboulevards werden gelb
beleuchtet, und das Universitätsklinikum beteiligt sich ebenfalls an
der Aktion und beleuchtet die Türme beim Hubschrauberlandeplatz“,
informierte Landesrat Martin Antauer und sagte weiters: „Diese
Beleuchtung soll Aufmerksamkeit schaffen, denn es geht nicht nur um
eine Farbe, es geht darum hinzuschauen, psychische Krisen sichtbar zu
machen und es geht auch darum, Menschen zu zeigen ‚Du bist nicht
alleine, Hilfe ist da‘.“ Wie wichtig das sei, würden die Zahlen
zeigen: „Im Jahr 2024 haben sich in Österreich 1.219 Menschen das
Leben genommen. Das sind mehr als drei Menschen am Tag“, sprach der
Landesrat von einer „unglaublichen Zahl“. Über Suizidversuche selbst
gebe es keine genaue Statistik. 80 Prozent der Suizidtoten seien
Männer gewesen. „Hinter jeder Zahl steht ein Mensch – ein Vater, ein
Sohn, ein Freund, ein Arbeitskollege oder auch ein Nachbar und hinter
jedem dieser Menschen stehen Familien und Freunde, deren Leben sich
in diesem Moment auch gravierend ändert“, so Antauer.

„Psychische Krisen dürfen kein Tabuthema sein“, betonte Antauer,
dass Hilfe manchmal mit einer ganz einfachen Frage beginne: „Wie geht
es dir wirklich?“ Danach komme etwas, das mindestens genauso wichtig
sei, nämlich: „Zuhören, nicht sofort bewerten, nicht wegschauen,
nicht das Thema wechseln, einfach Dasein. Wir müssen keine Fachleute
sein, um einem Menschen in einer schwierigen Situation beizustehen.
Aber wir können der Mensch sein, der merkt, dass etwas nicht stimmt.
„Die direkte Frage erhöht das Risiko nicht“, appellierte der
Landesrat, dass es wichtig sei, es offen anzusprechen, wenn man
bemerke, dass sich jemand das Leben nehmen möchte. Antauer nannte
SUPRA (Suizidprävention Austria), das Ende April nach
Niederösterreich komme. „Suizidprävention beginnt nicht erst im
Krankenhaus. Sie beginnt viel früher – in der Familie, im
Freundeskreis, am Arbeitsplatz, in den Vereinen, aber auch in der
Nachbarschaft. Sie beginnt dort, wo Menschen aufeinander achten“,
appellierte der Landesrat: „Schauen wir nicht weg, fragen wir nach
und hören wir zu. Denn: Gemeinsam geht mehr!“

Landesrat Anton Kasser ergänzte: „Wie sehr dieses Gefühl der
Einsamkeit verbreitet ist, zeigen uns die Zahlen der Statistik
Österreich: Rund 1,8 Millionen Österreicherinnen und Österreicher
fühlen sich gelegentlich einsam. Mehr als eine halbe Million hat das
Gefühl ständig oder sehr oft einsam zu sein.“ Einsamkeit und
psychische Erkrankungen seien kein Randthema mehr, sie seien in der
Gesellschaft angekommen. „Wir wissen, dass dieses Thema jede und
jeden von uns treffen kann“, betonte Kasser, dass es umso wichtiger
sei, dass Hilfe erreichbar sei und, dass die Menschen, die es treffe,
auch den Mut hätten, Hilfe anzunehmen. Der Landesrat dankte jenen
Menschen „für ihre wertvolle Arbeit“, die tagtäglich Hilfe anbieten,
wie den vielen Ärztinnen und Ärzten, Psychologinnen und Psychologen,
Therapeutinnen und Therapeuten und allen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter in den psychiatrischen Einrichtungen. „Psychische
Gesundheit darf nicht erst beginnen, wenn die Krise ausgebrochen
ist“, betonte Kaser, wie wichtig es sei, diese Krankheit sichtbarer
zu machen. Mit der Landesausstellung im Landesklinikum Mauer „Wenn
die Welt Kopf steht“ setze man heuer einen wichtigen Akzent. Damit
gelinge es, „das Thema dorthin zu bringen, wo es hingehört – nämlich
in die Mitte der Gesellschaft.“ Über 100.000 Menschen seien bereits
vor Ort gewesen.

„Wenn sich jemand ein Bein bricht, dann redet er darüber. Wenn
die Seele bricht, herrscht oft Schweigen. Da müssen wir ganz klar
dagegen arbeiten“, betonte der Landesrat, dass man die Dinge
akzeptabler und besprechbar machen müsse. Niederösterreich setze hier
viele Akzente, nannte Kasser etwa die Initiative „Allein – aber nicht
einsam!“ von „Tut gut!“, das Akutkrisenteam oder die telefonischen
Krisendienste. „Eine Gesellschaft, die offen über psychische
Gesundheit spricht und aufeinander achtet, ist auch eine
Gesellschaft, in der Menschen leichter Unterstützung finden“,
appellierte Kasser: „Schauen wir hin, fragen wir nach, hören wir zu,
bleiben wir in Kontakt und geben wir psychischer Gesundheit, den
Stellenwert, den sie verdient, nämlich mitten in der Gesellschaft.“

Der Yellow September zeige, wie wichtig es sei,
Präventionsmaßnahmen zu setzen, führte Landesrätin Susanne Rosenkranz
aus, dass psychosoziale Gesundheit entscheidend für das Leben eines
Menschen sei und ganz besonders auch für die Teilhabe am
Arbeitsmarkt. „Psychische Belastungen haben viele Gesichter“, betonte
sie, dass man damit aufhören müsse, diese zu tabuisieren. „Es kann
jeden treffen“, führte die Landesrätin aus, dass man das ganz
besonders bei jungen Menschen sehe. Kinder, Jugendliche und junge
Erwachsene würden sich sowieso in einer schwierigen Phase befinden,
sagte Rosenkranz, dass in der Pubertät Unsicherheiten, Ängste und
Überforderung zu sozialem Rückzug führen könnten. „Der Umgang mit KI,
dem Handy und den sozialen Medien belastet unsere Jugendlichen
massiv“, so Rosenkranz. „2019 erhielten rund 22.400 Kinder und
Jugendliche unter 18 Jahren mindestens eine Psychopharmaka-
Verordnung. 2025 waren es schon rund 36.100. Das ist ein Anstieg um
61 Prozent“, führte die Landesrätin aus, dass der Anstieg ganz
besonders stark in den Jahren 2024 bis 2025 gewesen sei, in den
Jahren nach Corona.

Man dürfe die Jugendlichen nicht allein lassen und man dürfe
nicht erst dann unterstützen, wenn die Probleme überwältigend
geworden seien. „Es braucht Unterstützung, die nicht bevormundet,
sondern Unterstützung, die Halt und Orientierung gibt und die
Vertrauen in die eigenen Stärken wieder aufbaut“, betonte Rosenkranz,
dass es unterschiedlichste Formen der Unterstützung und eine
multiprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Psychologie,
Sozialarbeit, Beschäftigung, Ausbildung und ganz vielen Bausteinen
brauche. Sie nannte die Jugendbildungszentren, die die Jugendlichen
niederschwellig und modulartig bei Problemen auffangen und
unterstützen, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Pilotprojekte gebe es in
Amstetten und Wr. Neustadt, zwei zusätzliche seien geplant. Ein
weiteres Projekt sei Neuro.Match, das bei der Menschen und Arbeit
GmbH angesiedelt sei.

Hilfe in Niederösterreich bei psychischen Krisen und
Suizidgefahr: Rettung – Notruf NÖ: 144 (0-24 Uhr), Gesundheitsnummer:
1450 (0-24 Uhr). Bei akuter Gefahr, etwa wenn jemand einen Suizid
unmittelbar ankündigt: sofort die Rettung unter 144 oder die Polizei
unter 133 rufen (rund um die Uhr, österreichweit und kostenlos).
Österreichisches Suizidpräventionsprotal mit Erste-Hilfe-Tipps,
Warnsignalen und Anlaufstellen in allen Bundesländern: suizid-
praevention.gv.at

Weitere Informationen: Büro LR Antauer, Pressesprecher Robert
Lugar, Telefon: 0676/3517734, E-Mail: robert.lugar@noel.gv.at , Büro
LR Kasser, Pressesprecher Jan Teubl, Telefon: 0676/812 12345, E-Mail:
jan.teubl@noel.gv.at , Büro LR Rosenkranz, Pressesprecher Peter
Leopold Groiß, Telefon: 02742/9005-13789, Mobil: 0676/81213789, E-
Mail: peterleopold.groiss@noel.gv.at

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