Politik

SPÖ-Bundesbildung: Vor 70 Jahren begann neues Kapitel österreichischer Mediengeschichte – ORF von bedeutender gesellschaftlicher Relevanz

Wien (OTS) – Anlässlich „70 Jahre Fernsehen in Österreich“ erinnern
SPÖ-
Bundesbildungsvorsitzender Gerhard Schmid, SPÖ-
Bundesbildungsgeschäftsführer Wolfgang Markytan und Karin Moser,
Medienhistorikerin und Mitglied des SPÖ-Bundesbildungspräsidiums, an
die Anfänge des ORF, die Hintergründe und die große gesellschaftliche
Relevanz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. „Am 1. August 1955 um
Punkt 17.00 Uhr begann mit einem schlichten Insert des Stephansdoms
und der Aufschrift ‚Österreichisches Fernsehen, Versuchsprogramm‘ ein
neues Kapitel österreichischer Mediengeschichte: Der erste
Fernsehsender des Landes ging auf Sendung“, so Schmid. Moser ergänzt:
„Aufgenommen wurde die erste Sendung in einem improvisierten Studio
eines ehemaligen Klassenzimmers im 12. Wiener Gemeindebezirk, konkret
in der Singrienergasse.“ Geboten wurde in der ersten Sendung eine
Mischung aus Kultur, Information und Diskussion. „Der erste
Programmpunkt war musikalisch – die Wiener Philharmoniker spielten im
Schloss Belvedere die ‚Egmont-Ouvertüre‘ von Beethoven. Es folgte
eine Diskussionssendung mit den Chefredakteuren der damals
wichtigsten österreichischen Tageszeitungen zu der Frage: ‚Wird das
Fernsehen der Presse schaden?‘. Den Abschluss bildete ein Beitrag
über die französische Schule in Wien“, so Moser. Schmid erinnert,
dass diese erste Sendung „nach weniger als einer Stunde schon wieder
vorbei“ war, aber dennoch große Wirkung entfaltete. Ein Reporter der
„Arbeiter-Zeitung“ beschrieb die Premiere als „ganz großen,
aufregenden, ergreifenden Augenblick“, wie Schmid erinnert. Er
betont: „Dass dieser Moment nicht aufgezeichnet wurde – weil es an
technischen Mitteln fehlte – unterstreicht seine Flüchtigkeit und
zugleich seine historische Tragweite.“

Bis die erste Sendung ausgestrahlt und der Sender in ganz
Österreich empfangen werden konnte, mussten aber noch einige Hürden
überwunden werden. Schmid erinnert daran, dass der Weg zum ersten
Sendetag geprägt war „von politischen und technischen
Weichenstellungen. Erst der Staatsvertrag vom Mai 1955 beendete das
alliierte Verbot von Fernsehen in Österreich. In der Folge
entschieden sich ÖVP und SPÖ für ein zentralistisches Modell, aus dem
der ORF hervorging. Noch kurz vor dem Start wurden notwendige
Elemente improvisiert: So wurde Franziska Kalmar, die spätere TV-
Ikone, nur zwei Tage vor Sendebeginn als Ansagerin engagiert.“
Außerdem mussten zu Beginn vor allem entsprechende
Empfangsmöglichkeiten geschaffen werden. „Beim Start im Sommer 1955
konnte man mit einem provisorischen Sendernetz fast zwei Drittel der
österreichischen Bevölkerung erreichen. Die letzte Senderlücke konnte
im Juni 1959 geschlossen werden – damals wurde ein UKW- und
Fernsehgroßsender am Pfänder in Bregenz in Betrieb genommen, somit
war auch Vorarlberg erschlossen“, so Moser.

Nach und nach wurden schließlich auch die Sendezeiten erweitert:
„Während anfangs nur am Montag, Mittwoch und Samstag für etwa 45
Minuten gesendet wurde, konnte man ab 1960 täglich Fernsehprogramm
empfangen“, erinnert Moser. Sie sagt, Sendungen und Personal seien
direkt vom Radio ins Fernsehen übernommen worden. Zu sehen waren
Quizsendungen, Theateraufführungen, Kochnummern und
Kabarettprogramme. Moser erinnert, dass Programme wie „Quiz 21“, „Was
gibt es Neues?“, die „Fernsehküche“, „Familie Leitner“, „Kasperl und
Pezi“, aber auch brisante und hochpolitische Fernsehspiele wie „Der
Herr Karl“ die ersten Jahre prägten. Die erste Nachrichtensendung
trug den Titel „Bild des Tages“ und wurde bald (im Dezember 1955) in
„Zeit im Bild“ umbenannt, welche „bis heute die meistgesehene
Informationssendung Österreichs ist“, wie Moser betont.

Anfangs noch von Skepsis geprägt, entwickelte sich das Fernsehen
rasch zum prägenden Medium der Zweiten Republik. Schmid: „Zunächst
zweifelten viele an der Zukunft des ‚Büdlradios‘, wie das neue Medium
abschätzig genannt wurde. Doch die bewegten Bilder entfalteten rasch
ihre Wirkung: Trotz anfänglicher Skepsis entwickelte sich das
Fernsehen schnell zum prägenden Medium der Zweiten Republik – vom
exklusiven Nischenphänomen mit 500 Geräten zum ‚Lagerfeuer der
Nation‘, das den Medienkonsum, das politische Bewusstsein und den
Alltag nachhaltig veränderte.“

Auch Moser hebt die große Bedeutung des Fernsehens hervor:
„Nachdem das Fernsehen im Verlauf der 1960er-Jahre vom Luxus- zum
Alltagsgegenstand wurde, entwickelte es sich in der zweiten Hälfte
des 20. Jahrhunderts zum wichtigsten, schnellsten und zentralsten
Informations-, Bildungs-, Diskussions- und Unterhaltungsmedium.
Zahlreiche Sendungen wurden letztlich Teil des kollektiven
Gedächtnisses.“ Markytan hebt in diesem Zusammenhang die Bedeutung
von Sport-Liveübertragungen hervor: „Sport war und ist ein
identitätsstiftendes Element für das österreichische
Selbstverständnis – von den ersten Liveübertragungen der 1950er-Jahre
bis zu den großen emotionalen Momenten, die das ganze Land bewegen.
Gerade in der Aufbauzeit der Zweiten Republik bot der Sport am
Bildschirm nicht nur Ablenkung und Begeisterung, sondern vermittelte
auch ein Gefühl von Zusammenhalt, Stolz und internationaler Teilhabe.
Das Fernsehen wurde so zum sozialen Verstärker jener kollektiven
Erfahrungen, die unser nationales Bewusstsein bis heute prägen.“

Bis heute komme dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine
besondere Bedeutung zu, wie Moser betont, „denn er ist dem Interesse
der Gesellschaft und dem Gemeinwohl verpflichtet. Er hat breite
Interessen abzudecken und in allen Programmschienen hohe
Qualitätsstandards zu erfüllen. Demokratie, Meinungsfreiheit,
Persönlichkeitsschutz, seriöse Information und Unterhaltung zählen zu
den grundlegenden Werten des ORF.“ (Schluss) lw/ls

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