Politik

Grüne Wien/Pühringer, Malle, Stadler: Neues Schuljahr, alte Probleme

Wien (OTS) – Das neue Schuljahr steht bevor, die alten Probleme sind
geblieben –
und es kommen laufend neue dazu: 50 Prozent der Erstklässler:innen in
den Volksschulen sprechen nicht gut genug Deutsch, um dem Unterricht
folgen zu können. Einige Volksschulklassen sind zum Schulstart ohne
klassenführende Lehrperson und viele Schulen suchen noch händeringend
Direktor:innen. Hinzu kommen fehlende Schulsozialarbeiter:innen und
mangelnde Kindergartenplätze für Kinder mit Behinderung. Nun steht
die neue Bildungsstadträtin Bettina Emmerling vor ihrem ersten
Schuljahr, weshalb die Wiener Grünen bei der heutigen Pressekonferenz
für sie zum Start eine Schultüte vorbereitet haben – gefüllt mit
Grünen Reform- und Lösungsvorschlägen, damit im Wiener Bildungssystem
endlich was weitergeht.

Wiener Bildungskrise verschärft sich

„Das neue Schuljahr beginnt, doch die alten Probleme sind
weiterhin ungelöst. Die pinke Performance der letzten Jahre hat die
Lage weiter verschärft: Anstatt sich bundesweit um die notwendigen
Verbesserungen zu kümmern, zerkracht sich Bildungsminister
Wiederkehr mit der Lehrer:innengewerkschaft – und Wien leidet
unterdessen an einer handfesten Bildungskrise. Das sind geraubte
Bildungs- und Lebenschancen für die Kinder dieser Stadt. Es ist ho
̈chste Zeit, dass die Stadtregierung endlich alles dafür tut, dass
die Schule ums Eck die beste für alle wird“, so die
Parteivorsitzende der Grünen Wien, Judith Pühringer.
„Ein Kind, das nächste Woche in die Schule kommt, hat weniger Chancen
als noch vor fünf Jahren. Das ist die traurige Bilanz nach fünf
Jahren Neos-Bildungsverantwortung in Wien. Bei den gravierendsten
Baustellen Spracherwerb, Personalmangel und fehlende Durchmischung
sind die Probleme nur noch größer geworden. Die Wiener Bildungskrise
verschärft sich weiter und die Neos, im Bund wie in der Stadt,
schauen nur zu“, so der Grüne Bildungssprecher Felix Stadler.
Dazu kommen die gravierenden Baustellen in der Elementarbildung:
„Jedes Kind, das einen Kindergartenplatz braucht, muss auch einen
bekommen. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein –
davon ist Wien aber leider weit entfernt. Zum Beispiel warten noch
immer über 1.000 Kinder mit Behinderung auf einen Platz in einem
Wiener Kindergarten. Das ist ein unerträglicher Zustand, den
Bildungsstadträtin Emmerling endlich entschlossen angehen muss“, so
die Grüne Bildungssprecherin Julia Malle.

Grüne Lösungen für die Wiener Bildungskrise

Die Wiener Grünen haben im Nachgang der Wahl neuerliche Anfragen
zu den drängendsten Brandherden im Wiener Bildungssystem gestellt.
Sei es bei den Schulsozialarbeiter:innen oder bei den noch immer
fehlenden Kindergartenplätzen für Kinder mit Behinderung – die
Probleme bleiben ungelöst oder verschärfen sich noch weiter.

1. Problem Personalmangel : Es ist eine schon traurige Tradition der
letzten Jahre: Zu Schulbeginn ist nicht klar, ob jede Klasse
überhaupt eine fixe Lehrkraft hat. Noch vor zwei Wochen war noch von
240 offenen Stellen die Rede. Die Grünen Wien fordern eine
Verbesserung der Arbeitsbedingungen sowohl an Schulen als auch in
Kindergärten. An Schulen mit größeren Herausforderungen soll es
außerdem höhere Gehälter und bessere Entlohnung für Zusatzaufgaben
geben sowie Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten für Lehrer:innen für
Mittlere-Management Positionen. Es braucht außerdem mehr
Unterstützungspersonal, weniger Bürokratie und administrative Arbeit
und endlich gut ausgestattete Arbeitsplätze. Der Job der
Direktor:innen muss attraktiver gestaltet werden.

2. Problem der Durchmischung: Neue Zahlen aus einer Grünen
Anfragebeantwortung zeigen, dass das Problem der fehlenden
Durchmischung innerhalb der Bezirksgrenzen teils extrem ist. In
vielen Bezirken gibt es Schulen, in denen der Anteil der Kinder, die
nicht gut genug Deutsch verstehen, um dem Unterricht folgen zu
können, bei fast 50% liegt. Gleichzeitig gibt es im selben Bezirk
Schulen, in denen dies nur auf einige, wenige Kinder zutrifft. Die
Grünen Wien fordern ein zeitgemäßes Update für die Schulplatzauswahl:
Die endgültige Zuteilung erfolgt zentral, nach den Kriterien
Wohnortnähe, Geschwister, Erstsprache, Bildungsgrad der Eltern.

3. Fehlende Schulsozialarbeiter:innen : Noch immer können nicht
alle Planstellen besetzt werden, weil die Arbeitsbedingungen
unattraktiv sind. Die Grünen Wien fordern für jede Schule eine:n
Schulsozialarbeiter:in, damit sich die Lehrer:innen voll und ganz
aufs Unterrichten konzentrieren können.

4. Fehlende Ganztagesplätze in Kindergärten: Eine drastische
Konsequenz der Notlage ist, dass Eltern den Ganztagsplatz für ihr
Kind verlieren können, wenn ein zweites Kind bekommen. Die Grünen
fordern, dass der Anspruch auf einen Ganztagesplatz für ein Kind
immer erhalten bleiben muss. Dieser Anspruch muss garantiert werden,
im Regierungsprogramm von Rot-Pink findet sich dazu aber nur eine
Absichtserklärung ohne konkreten Zeitplan.

5. Mangelnde Inklusion: Bei der extra geschaffenen Förderschiene
für Inklusion wurden laut einer aktuellen Anfragebeantwortung bislang
kein einziger Euro ausgezahlt. Die Nachfrage übersteigt das Angebot
der Stadt um rund 80 % – ein untragbarer Zustand, der betroffene
Familien massiv belastet und die Versäumnisse der Stadtpolitik klar
aufzeigt. Die Grünen Wien fordern, dass Förderungen deutlich
einfacher gestaltet werden und weniger Bürokratie erzeugen.
Kindergärten bräuchten stattdessen „freies Geld“, das sie hierfür
einsetzen können.

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