St. Pölten (OTS) – Am gestrigen Dienstag fand das „Kulturgespräch
2025“ im Haus der
Digitalisierung in Tulln statt. Rund 150 Teilnehmerinnen und
Teilnehmer bekamen ein vielfältiges Programm aus Keynotes, Vorträgen
und Arbeitsgruppen geboten. Das diesjährige Kulturgespräch stand
unter dem Motto „Denken ohne Menschen? KI, Kunst und Kulturelle
Verantwortung“. Unter den Gästen war auch Landeshauptfrau Johanna
Mikl-Leitner, die gleich eingangs betonte: „Wir müssen KI nutzen –
aber Kunst und Kultur sind zutiefst menschlich und Kreativität ist
der beste Boden für unsere Zukunft.“
Bei allem Spielraum und allen Möglichkeiten, die KI und digitale
Technik anbieten, sei sie davon überzeugt, dass es Künstlerinnen und
Künstler auch in Zukunft brauche und immer geben werde. „Deshalb
haben wir vor kurzem die Initiative ‚Live ist Live‘ gestartet, denn
was bei Live-Acts an Vibes, Beziehungen und Emotionen entsteht, das
schafft weder KI noch der beste digitale Tonträger.“ Kunst lebe von
Empathie, Emotion, Inspiration und Begegnung. Genau deshalb dürfe es
nicht ‚entweder, oder‘ – also entweder digitale Welt oder reale Welt
– heißen, sondern ‚sowohl, als auch‘.“ Als Beispiele nannte sie unter
anderem das Heidentor Carnuntum, das als österreichisches Kulturerbe
digital bewahrt wurde, sowie die Einflüsse in der musealen Welt, wo
Digitalisierung und KI die Arbeit etwa in der Dokumentation
unterstützen. Auch in der Kultur.Region.Niederösterreich habe man das
Thema im Rahmen von Seminaren zu „Künstlicher Intelligenz in der
Kultur“ aufgenommen.
Die Landeshauptfrau führte weiters aus, dass Niederösterreich
seine Kulturstrategie konsequent weiterverfolge, um das Kulturland
trotz herausfordernder Zeiten zu stärken: „Digitalisierung wirkt in
alle Lebensbereiche – gerade aufgrund der demografischen Entwicklung.
Deshalb müssen wir die Awareness stärken und uns intensiv damit
auseinandersetzen.“ Gleichzeitig bleibe es Auftrag, Kinder und
Familien noch stärker an Kunst und Kultur heranzuführen. Eine
aktuelle Untersuchung zeige, „dass 75 Prozent der Volksschüler von
heute in Berufen arbeiten werden, die wir noch überhaupt nicht
kennen. Das heißt, wir bereiten heute unsere Kinder auf eine Welt
vor, die wir noch gar nicht kennen.“ Dabei sei Kreativität das
Wichtigste – „und darum müssen wir Kinder noch mehr zu Kunst und
Kultur bringen, sie lehren, gesellschaftskritisch zu sein, um so
verantwortungsvolle, selbstbewusste Kinder zu erziehen, die
reflektieren, Demokratie leben und Entscheidungen treffen können.“
Mikl-Leitner meinte überdies, es sei ihr wichtig, bei den
Entwicklungen in Digitalisierung und KI nicht am Rand zu stehen,
„sondern mitten am Spielfeld“ und diese Entwicklungen auch aktiv
mitzugestalten. Sie erinnerte daran, dass dies auch der Impuls war,
das Haus der Digitalisierung zu schaffen – eine Plattform für
Wissenschaft, Wirtschaft, Bildung und schließlich auch für Kunst und
Kultur, „weil bald klar war, dass KI auch die kreativen und
kulturellen Bereiche betrifft.“
In einer Podiumsdiskussion sprachen Kuratorin, Kunsthistorikerin
und Künstlerin Clara Blume, die später auch musikalisch live
performte, der Leiter der Abteilung Kunst und Kultur im Amt der NÖ
Landesregierung Hermann Dikowitsch, der Vorsitzende des NÖ
Kultursenats Reinhard Linke sowie Cornelia Travnicek,
Schriftstellerin und Projektmanagerin im Virtual-Reality-Bereich, und
Claus Zeppelzauer, Geschäftsführer Haus der Digitalisierung, zum
Thema „Denken ohne Menschen“. Denken ohne Menschen funktioniere
nicht, meinte etwa Zeppelzauer, „denn KI basiert auf
Wahrscheinlichkeit und Algorithmen, die Letztverantwortung liegt beim
Menschen.“ Dikowitsch sprach von „einer unserer großen
kulturpolitischen Aufgaben, hier zu informieren, auszubilden und zu
fördern. Zentral ist vor allem die Vermittlung an Kinder und
Jugendliche.“ Der Mensch dürfe die vorhandenen Tools nicht passiv
hinnehmen, sondern müsse bewusst eine proaktive Rolle einnehmen, war
der Grundtenor unter den Diskutanten.
Im Rahmen der gestrigen Veranstaltung wurde das Projekt „Das
Heidentor in Carnuntum“ durch Eduard Pollhammer, wissenschaftlicher
Leiter Carnuntum, und seine Stellvertreterin Bernadette Malkiel
vorgestellt, das im Rahmen der EU-Kampagne „Twin it!“ entstanden ist.
Ebenfalls präsentiert wurde das Kunstprojekt ALCHEMICAL
IM/POSSIBILITIES des Künstlerinnen- und Künstlerkollektivs StudioOne.
Es vereint Werke von Michael Heindl, Moritz Altersberger-Kenney,
Gertraud Köck, Christian Murzek, Florian Nitsch und Michaela Putz-
Gonzales, die sich mit den Wechselwirkungen zwischen digitalen und
analogen Ausdrucksformen beschäftigen.